Inversion — Der unintuitive Weg zur Innovation

Es war der deutsche Mathematiker Carl Jacobi der sagte:

„Man muß immer umkehren.“

Er sprach von Gleichungen und Funktionen — doch wie kann eine mathematische Methode uns dabei helfen kreative Ideen zu haben und bessere Entscheidungen zu treffen?

Mal so gefragt: Was wollen Sie für Ihr Unternehmen? Ihr privates Konto? Ihre Freizeit? Ihre Besitztümer?

Mehr, oder?

Wie machen wir schneller größere Abschlüsse, expandieren und skalieren und das alles am besten gleichzeitig?

Die ständigen Fragen „Wie können wir mehr in kürzerer Zeit erreichen?“, „Wie werden wir innovativer als die Konkurrenz?“ oder „Wie können wir neue Fehler im Projekt vermeiden?“ führt einen schnell in eine mentale Sackgasse, in der dieselben Ideen wieder und wieder durchgekaut werden. Auf kurz oder lang schaltet unser Gehirn auf Autopilot bei derartigen Fragen und gibt die immer wieder dieselben Antworten.

Bessere Fragen geben uns bessere Antworten und somit bessere Ergebnisse.

Um die besseren Fragen zu entdecken, lohnt es sich, das Gegenteil vom Erwarteten zu tun.

Das mentale Modell der Inversion — Stellen Sie alles auf den Kopf

Die Inversion ist ein praktisches Denkmodell, welches Ihnen erlaubt, aus wiederkehrenden und nicht-zielführenden Gedankenmuster auszubrechen.

Was ist das worst case scenario, das polare Gegenstück, zu Ihrem Ziel?

Ein geplatzter Deal der Ihren Ruf schädigt.

Ein gescheiterter Produkt-Launch, der jegliche Wiedergutmachung ausschließt.

Ein peinlich erbärmlicher erster Eindruck bei den neuen Schwiegereltern.

Der hypokritische Eid — Weniger ist mehr?

Der Leitsatz dem ein jeder Arzt folgt (oder folgen sollte) ist auch im Alltag, bei persönlichen Entscheidungen und im Geschäftsleben, anwendbar:

„An allererster Stelle, verursache keine Schäden.“ — Hypokritischer Eid

Als Patient sollte dies eine beruhigende Denkweise sein.

Manchmal sollte die Frage im Produkt-Management-Team nicht lauten „Welches Feature sollen wir noch implementieren?“, sondern eher „Welches Feature würde das Produkt zerstören? Was können wir aus der Pipeline entfernen?“

Sie können diese Methode als Subtraktion im Vergleich zu Addition betrachten. Die herkömmliche Herangehensweise ist, ständig Neues hinzuzufügen. Die Alternative ist, wie Michelangelo an die Sache heranzugehen, und schlichtweg zu subtrahieren, was keinem nachhaltig positiven Zweck dient.

David von Michelangelo

   „Der David war schon im Stein. Ich habe ihn
lediglich zum Vorschein gebracht.“ — Michelangelo

Premeditatio malorum — Planen wie der Imperator Roms

„Denken Sie positiv … und vor allem groß!“

„Fake it ’til you make it!“

Während wir uns gerne ambitionierte Ziele setzen und schwindelerregende Visionen verfolgen können, müssen wir in Kauf nehmen, dass die Welt nicht immer so läuft, wie wir es gerne hätten. Das Leben birgt viele Stolperfallen und fordert die Balance unzähliger Faktoren. Wir stolpern alle von Zeit zu Zeit und es ist besser einen Plan für solche Situation zu haben als unter Druck sich etwas komplett neues einfallen lassen zu müssen.

Mike Tyson

„Everybody’s got a plan until they get
punched in the mouth.“ — Mike Tyson

… trotzdem: einen Plan zu haben ist immer noch besser, als keinen zu haben.

Die großen Denker des antiken Roms wie der Imperator Marcus Aurelius, Epictetus und Seneca beschrieben ihre mentale Simulation, welche ihnen erlaubte, Probleme zu antizipieren und so furchtloser voranzuschreiten und besser mit Ihnen umzugehen, sollten sie eintreten. Sie nannten diese Methode premeditation malorum (frei übersetzt aus dem Lateinischen als „Vorbedacht der Missstände“).

Vor einer Reise würde der Schriftsteller Seneca, mental oder schriftlich durchgehen, was alles katastrophal schief laufen könnte. Sein Wagen könnte überfallen werden, das Schiff kentern, das Theater, zu dem er reiste, verwüstet worden sein.

„Nichts geschieht einem weisen Mann entgegen seiner Erwartungen“, schrieb Seneca einem Freund, „trotzdem ergibt sich auch alles nicht genauso, wie er es sich wünscht. Vielmehr entfaltet sich alles entsprechend seiner Annahmen — und mehr als alles andere  antizipierte er, dass etwas schief gehen würde.”

Diese Übung erlaubte ihm, Ablenkungen und Rückschläge mit einzuplanen und diese vorausschauend anzugehen.

Der erste Schritt zur Besserung: Die kleinstmögliche Menge an Dummheiten begehen

Warren Buffett

„Die erst Regel des Investieren: Verliere niemals Geld. Die zweite Regel: Verliere niemals Geld.“ — Warren Buffett

Anstatt beim nächsten Team-Treffen oder nächsten, persönlichen Zielsetzungssession immer fort nach „mehr“ und „schneller“ zu suchen, probieren Sie folgendes:

 

Fragen Sie sich:

Zur Zielsetzung:

  • Was wäre das Schlimmstmögliche, das passieren könnte?
  • Was wäre die tatsächliche Konsequenz davon?
  • Wie würde ich mit den Konsequenzen umgehen?
  • Wie könnte ich das Risiko dieses worst case scenarios von vornherein minimieren?

Zur Vorgehensweise:

  • Welche Dummheiten kann ich von vornherein ausschließen?
  • Was müsste ich tun, um das genaue Gegenteil meines gewünschten Ergebnisses zu erreichen?

„Dummheit zu vermeiden ist einfacher als Brillanz zu erreichen.“

Weitere Ressourcen:

James Clear on Inversion

Ryan Holiday on negative visualization

Shane Parrish on Inversion

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